Wie sieht es mit der Nachfrage für die eroFame 2026 aus? Hat der Erfolg der Veranstaltung im Oktober letztes Jahr das Interesse an der Veranstaltung noch mal verstärkt?
Natürlich arbeiten wir täglich daran, diesen Status auch im Interesse unserer Aussteller und Handelsbersucher auszubauen. Stand heute haben sich schon über 70 Firmen für die kommende eroFame angemeldet, das ist - bescheiden ausgedrückt – ein sehr gutes Zeichen an uns Veranstalter, wahrscheinlich können wir das auch als Kompliment auffassen. Es beweist, dass wir wohl alles in Amsterdam richtig gemacht haben.
Sie plädieren offen dafür, dass es künftig nur noch eine B2B-Messe pro Jahr in Europa geben soll. Wie sieht Ihre Hauptargumentation aus?
Natürlich klingt Konkurrenz im ersten Moment spannend und belebt theoretisch den Markt. Aber wir müssen ehrlich miteinander sein: Die Realität zeigt uns eine andere Richtung. Unternehmen planen heute deutlich vorsichtiger, Budgets stehen unter Druck, und jeder Euro muss sorgfältig eingesetzt werden.
Wenn sich Aussteller und Händler entscheiden müssen, wie sie ihre begrenzten Mittel aufteilen, dann ist es nur logisch – und fair –, ein gemeinsames, starkes Branchenformat zu bevorzugen, statt mehrere parallele Events zu finanzieren, die am Ende alle schwächen.
Und ich möchte betonen: Diese Haltung ist nicht nur meine persönliche. Zahlreiche Aussteller, Händler und Branchenkenner teilen diese Meinung. Viele sagen ganz offen: „Wir brauchen keinen Wettstreit, wir brauchen eine starke, gemeinsame Plattform.“
Eine Branche – eine Messe. Das ist kein egoistischer Ansatz, sondern ein Appell an Vernunft und Zusammenhalt.
Welche wirtschaftlichen Vorteile sehen Sie für die Aussteller und die Besucher, wenn alles auf eine große Messe – quasi eine Art Leitmesse - konzentriert wird?
Wieland Hofmeister: Es reicht schon eine Pi-mal-Daumen-Kalkulation, die im Grunde bedeutet, dass man nur 1 + 1 addieren muss – also einfach die Kosten für die Teilnahme der Branchenmitglieder an mehreren Messen pro Jahr zusammenrechnen, ohne andere Investitionen in Zeit und Geld zu berücksichtigen – und schon sieht man, dass sich daraus eine hohe Investition ergibt.
Wenn man sich also auf gezielte Messeteilnahmen konzentriert und so plant, dass Geld gespart werden kann, hat man anderswo mehr finanziellen Spielraum, und genau das braucht die Branche in diesem angespannten Wirtschaftsklima. Die Lösung ist also ganz einfach.
Wie würde sich die Besucherbindung, wenn es eine einzige Leitmesse gibt, im Vergleich zu mehreren Messen im Jahr, verändern?
Hofmeister: Professionelle Fachhändler wissen, wie wichtig es ist, sich jährlich über neue Produkte, Trends und Geschäftschancen zu informieren und sich persönlich mit Kollegen und Industriepartnern auszutauschen. Dieser Austausch stärkt die gesamte Branche – und ein jährliches Treffen reicht dafür vollkommen aus.
Wir hatten viele Jahre lang genau dieses Modell: eine starke B2B-Messe pro Jahr zur zentralen Orderzeit, und es hat hervorragend funktioniert. Der Bedarf war gedeckt – und ich bin sicher, dass dies wieder so sein kann.
Wie würde Ihrer Meinung nach eine einzige jährliche Fachmesse die Innovationskraft der Branche stärken?
Viele Firmen mussten schmerzlich feststellen, dass sich die Käufergewohnheiten dramatisch ins Digitale verschoben haben. Die Händler mussten gleichzeitig investieren, um sich neu aufzustellen. Die Budgets sind dadurch enger geworden – und das spürt man deutlich. In dieser Situation doppelte oder sogar dreifache Messekosten zu tragen, ist schlicht nicht mehr zeitgemäß.
Diese Mittel könnten so viel sinnvoller eingesetzt werden: In Endverbraucherkampagnen und in generische Werbung, von der alle profitieren. Ein Beispiel hat uns das sehr deutlich gezeigt: Als Satisfyer groß im TV präsent war, hat die gesamte Branche mehr verkauft – nicht nur ein Unternehmen. Das zeigt: Gemeinsame, starke Maßnahmen wirken!
Ich bin überzeugt: Wenn wir alle Mittel bündeln und uns auf eine Leitmesse verständigen, entstehen wieder mehr Raum, mehr Kraft und mehr Mut für Innovation. Eine Branche, die zusammensteht, ist stärker als eine, die ihre Kräfte verzettelt.
Wie gehen Sie mit der Sorge um, dass eine einzige Veranstaltung die Bedürfnisse der Industrie nicht komplett abdecken würde?
Hofmeister: Diese Sorge teile ich nicht. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass eine einzige, gut aufgestellte B2B-Messe völlig ausreicht, um die Bedürfnisse von Industrie und Handel abzudecken. Die Umsätze stimmten, die Besucher kamen aus aller Welt – das Konzept hat mehrfach bewiesen, dass es funktioniert.
Würde eine einzige jährliche Veranstaltung nicht dazu führen, dass die Sichtbarkeit der ausstellenden Unternehmen und Marken im Markt abnimmt?
Wieland Hofmeister: Regionale Inhouse-Messen, die von einzelnen Großhändlern und Unternehmen organisiert werden, sind nach wie vor ein wichtiges Instrument und werden von Fachbesuchern sehr geschätzt. Sie eignen sich perfekt, um zusätzliche Umsätze zu generieren und persönliche Kontakte zu knüpfen, und sie sind in der Organisation und Durchführung wesentlich kostengünstiger als eine große Fachmesse. Veranstaltungen dieser Art sind daher eine hervorragende Ergänzung zur einen großen Leitmesse für den europäischen Markt und sorgen dafür, dass Ihre Marke im Gedächtnis bleibt.
Die Realität sieht gegenwärtig so aus, dass es zwei B2B-Messen pro Jahr in Europa gibt, die beide erfolgreich sind. Heißt das nicht, dass der Markt mit zwei Veranstaltungen gut leben kann?
Wieland Hofmeister: Wenn Sie meine Meinung hören wollen, bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob zwei große jährliche B2B-Messen für den europäischen Markt langfristig auf einer soliden finanziellen Basis bleiben können. Die Organisation einer Messe ist immer ein Risiko, da sie erhebliche Vorabinvestitionen erfordert, ganz zu schweigen von einem hochprofessionellen Team, umfangreichen Vorbereitungen und einem unerschütterlichen Bekenntnis zur Qualität.
Und ich spreche hier nicht von irgendwelchen „ausgefallenen Extras“, sondern von den grundlegenden Anforderungen. Man muss den Teilnehmern einen attraktiven Veranstaltungsort, großartige Markenpräsentationen, kostenlose Verpflegung, interessante Vorträge und eine unterhaltsame Eventparty bieten können.
Schließlich sind es diese Dinge, die eine Branchenveranstaltung zu einer lohnenden Reise machen. Die Besucher haben jedes Recht, ein großartiges Erlebnis zu erwarten!
Aber ein solches Erlebnis zu schaffen, ist teuer. Und wenn die Aussteller ihr Budget auf zwei oder mehr Veranstaltungen aufteilen müssen, wirkt sich das unweigerlich auf die Qualität aller Messen aus. Es ist, als würde man einen kleinen Kuchen in zu viele Stücke teilen – am Ende geht niemand zufrieden nach Hause.
Es bleibt auch fraglich, ob die jeweiligen Messeveranstalter in Zukunft das notwendige Budget aufbringen können, um eine wirtschaftlich tragfähige Messe zu organisieren. Ich würde daher Unternehmen dieser Branche empfehlen, ihre Daten zu überprüfen und zu überlegen, ob zwei große Jahresmessen wirklich finanziell tragbar sind.
Meiner Meinung nach gibt es derzeit einfach zu viele Unbekannte, von steigenden Preisen bis hin zu Schwankungen bei den Besucherzahlen. Was wir jetzt brauchen, ist Stabilität, nicht Fragmentierung.
Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass sich an der Situation, wie wir sie heute haben, etwas verändert?
Hofmeister: Die Industrie wird die Richtung vorgeben. Die Unternehmen entscheiden letztlich, ob der Markt wirtschaftlich genug hergibt, um mehrere Messen im Jahr zu tragen. Gebucht wird jene Messe, die die meisten Fachbesucher anzieht und die besten geschäftlichen Ergebnisse liefert – nicht nur vor Ort, sondern auch im Nachgang.
Welche Reaktionen bekommen Sie auf die Idee, die Anzahl der Fachmessen zu reduzieren?
Hofmeister: Natürlich können wir nicht für die Aussteller entscheiden, und das wäre auch vermessen. Aber wir nehmen die Stimmung in der Branche sehr genau wahr. Unser Messebeirat, in dem maßgebliche Anbieter vertreten sind, liefert uns wertvolle Einschätzungen – und dort ist bislang keineswegs klar, ob Unternehmen langfristig an zwei großen Messen teilnehmen wollen.
Ich hoffe sehr, dass die eroFame auch 2026 die führende europäische B2B-Messe bleibt und vertraue auf die Unterstützung unserer Partner und Aussteller.
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für die hohe Beteiligung und das große Vertrauen bedanken, das uns seit 16 Jahren entgegengebracht wurde. Denn dieses Vertrauen motiviert uns, alles zu geben, um auch künftig eine Messe zu gestalten, auf die die gesamte Branche stolz sein kann.






























